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Woran die Einführung von KI im Mittelstand scheitert

Von Henrik Horn · · aktualisiert · 4 Minuten

Die Hürden sind gemessen

Warum ein Unternehmen KI nicht einsetzt, muss man nicht raten. Zwei große Erhebungen fragen genau das.

Die erste Fassung dieses Beitrags vom Januar 2026 sammelte Schlagzeilen, von Chip-Geschäften über Finanzierungsrunden bis zum Streit um den Chatbot Grok. Ein Satz darin war wichtiger als der Rest. Der deutsche Mittelstand investiere nur zurückhaltend in KI. Diese Fassung geht der Frage nach, woran das liegt.

Das Statistische Bundesamt fragt jedes Jahr Unternehmen, die über KI nachgedacht, sie aber nicht eingeführt haben, nach ihren Gründen. Bitkom hat im Sommer 2026 eine ähnliche Frage an 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten gerichtet. Die Antworten ähneln sich.

nennen fehlendes Wissen
73 %
nennen fehlendes Wissen
nennen Unklarheit über rechtliche Folgen
64 %
nennen Unklarheit über rechtliche Folgen
nennen Bedenken beim Datenschutz
60 %
nennen Bedenken beim Datenschutz

Kleine Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten, die KI erwogen, aber nicht eingeführt haben. Statistisches Bundesamt, IKT-Erhebung 2025.

Vier Hürden, die immer wieder auftauchen

Die Kosten sind seltener das Problem, als man denkt. Wissen und Recht wiegen schwerer.

  1. 1

    Wissen

    Bei Destatis ist fehlendes Wissen der häufigste Grund. Bei Bitkom nennen 85 Prozent der Unternehmen ohne KI fehlendes technisches Know-how, 51 Prozent fehlende personelle Ressourcen. Die KfW beschreibt es im Juli 2026 genauer. Schon das Finden erster praxistauglicher Anwendungen sei eine zentrale Hürde.

  2. 2

    Recht

    64 Prozent der kleinen Unternehmen bei Destatis und 66 Prozent bei Bitkom nennen rechtliche Unsicherheit. Auch unter den Unternehmen, die KI schon nutzen, bleibt sie ein Thema. Dort nennen laut Bitkom 66 Prozent den Datenschutz und 56 Prozent rechtliche Verunsicherung als Hemmnis.

  3. 3

    Daten und Systeme

    44 Prozent der kleinen Unternehmen bei Destatis haben Probleme mit Verfügbarkeit oder Qualität ihrer Daten, 46 Prozent mit der Verträglichkeit ihrer vorhandenen Systeme. Bitkom hält fest, dass Daten aufbereiten und Systeme verbinden den höchsten Aufwand verursachen.

  4. 4

    Kosten

    Bei Destatis nennt nur ein Drittel der kleinen Unternehmen die Kosten. Bei Bitkom sagen 63 Prozent der Nicht-Nutzer, die Kosten seien schwer kalkulierbar. Das ist ein Unterschied. Es geht weniger um die Höhe als um die Unsicherheit.

Was beim Recht wirklich gilt

Viel Unsicherheit kommt vom EU AI Act. Für die meisten Automatisierungen im Büro ist er weniger streng als sein Ruf. Stand dieser Einordnung ist der 22. September 2026.

  • Seit dem 2. Februar 2025 gelten die Verbote bestimmter KI-Praktiken, etwa Social Scoring.
  • Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten nach Artikel 50. Ein Chatbot etwa muss so gestaltet sein, dass Menschen erkennen, dass sie mit einer KI sprechen.
  • Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme, etwa in Personalauswahl oder Kreditvergabe, wurden verschoben. Mit dem Digital Omnibus, in Kraft seit dem 27. Juli 2026, gelten sie für eigenständige Systeme ab dem 2. Dezember 2027 und für KI in regulierten Produkten ab dem 2. August 2028.

Ein Workflow, der Rechnungen ausliest oder Anfragen sortiert, fällt in der Regel nicht unter die Hochrisiko-Regeln. Die DSGVO gilt trotzdem, sobald personenbezogene Daten durch ein Modell laufen. Das ist keine Rechtsberatung. Bei Grenzfällen gehört die Frage zu jemandem, der sie verbindlich beantworten darf.

Wie Sie die Hürden kleiner machen

Keine der vier Hürden verschwindet mit einem größeren Budget. Alle werden kleiner, wenn das erste Projekt klein und konkret ist.

  • Gegen fehlendes Wissen hilft ein konkreter Ablauf besser als eine Schulung über KI im Allgemeinen. Wer einmal gesehen hat, wie ein Modell in einem Workflow eine E-Mail einordnet, versteht die Grenzen schneller.
  • Gegen rechtliche Unsicherheit hilft es, zuerst Abläufe ohne personenbezogene Daten zu wählen oder Anbieter mit Verarbeitung in der EU. Dazu eine Freigabe durch einen Menschen, bevor etwas nach außen geht.
  • Gegen Datenprobleme hilft es, klein anzufangen. Ein Ablauf braucht nur die Daten, die er berührt. Die müssen sauber sein, nicht die ganze Firma.
  • Gegen unklare Kosten hilft eine Rechnung vor dem Bau. Menge, Zeit pro Vorgang, laufende Kosten. Wie das geht, zeigt der Beitrag Den Business Case rechnen, bevor gebaut wird.

Wie verbreitet KI inzwischen ist und wofür Unternehmen sie nutzen, steht im Beitrag Wie viele Unternehmen in Deutschland KI 2026 nutzen.

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