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Zehn KI-Prognosen für 2026 im Rückblick

Von Henrik Horn · · aktualisiert · 4 Minuten

Warum wir nachprüfen

Prognosen sind billig, solange niemand nachschaut. Deshalb schauen wir nach.

Am 5. Januar 2026 fassten wir hier ein Video des YouTube-Kanals Everlast AI zusammen, zehn Dinge, die 2026 in der KI kommen sollten. Die Zusammenfassung war im Ton zu laut und enthielt Aussagen, die wir nicht geprüft hatten, etwa dass KI bis Ende 2026 fast den gesamten Code schreibt.

Diese Fassung ersetzt die Vorschau durch einen Abgleich mit dem Stand vom 22. September 2026. Wir sortieren jede Prognose in eine von drei Gruppen. Eingetreten, teilweise eingetreten, oder nicht eingetreten beziehungsweise nicht prüfbar. Wo wir keinen belastbaren Beleg gefunden haben, sagen wir das.

Eingetreten

Zwei Prognosen haben sich klar bestätigt. Keine davon war sehr gewagt.

  1. 1

    KI wird Alltag in Unternehmen

    Laut ifo nutzten im Mai 2026 54,5 Prozent der befragten Unternehmen KI, ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent. Bitkom kommt im Sommer 2026 auf 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Was hinter diesen Zahlen steckt, ordnet dieser Beitrag ein.

  2. 2

    Enorme Investitionen in Rechenzentren

    Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft planen für 2026 zusammen Investitionen von rund 725 Milliarden Dollar, laut Tom's Hardware 77 Prozent mehr als im Vorjahr. Der größte Teil fließt in Rechenzentren für KI.

Teilweise eingetreten

Hier lag die Richtung richtig. Tempo oder Ausmaß waren übertrieben.

  1. 1

    Sprachmodelle werden besser, der Hype flaut ab

    Die erste Hälfte stimmt. Am 3. September 2026 stellte OpenAI GPT-6 Astra vor, zunächst für ausgewählte Organisationen, dann für zahlende Kunden und über die API. Abgeflaut ist der Hype nicht. OpenAI-Präsident Greg Brockman brachte das Modell laut heise mit dem Aufkommen von AGI in Verbindung.

  2. 2

    Humanoide Roboter im Haushalt

    Der Hersteller 1X eröffnete im April 2026 in Kalifornien eine Fabrik für seinen Haushaltsroboter NEO, ausgelegt auf 10.000 Stück im Jahr, und meldete über 10.000 Vorbestellungen. Erste Auslieferungen an Kunden sind für 2026 angekündigt. Dass Roboter schon in großem Maßstab in Haushalten arbeiten, ließ sich nicht belegen.

  3. 3

    Autonome Fahrzeuge in London

    Anfang September 2026 starteten Uber und Wayve in London einen Robotaxi-Dienst mit rund 15 Fahrzeugen. In jedem sitzt noch ein Sicherheitsfahrer. Fahrten ganz ohne Fahrer erwartet Wayve nicht mehr in diesem Jahr. Für Tokio haben wir keinen belastbaren Stand gefunden.

  4. 4

    KI schreibt den Code

    Die Prognose lautete 99 Prozent des Codes bis Ende 2026. Der höchste belegte Wert eines großen Unternehmens, den wir gefunden haben, kommt von Google. Laut Sundar Pichai wurden im April 2026 75 Prozent des neuen Codes bei Google von KI erzeugt und von Entwicklern freigegeben. Das ist viel, aber weit weg von 99 Prozent in der Breite.

Nicht eingetreten oder nicht prüfbar

Bei diesen Punkten spricht der Stand im September dagegen, oder es gibt schlicht keine Messung.

  • Digitale Souveränität, Europa macht sich unabhängiger. Laut ifo lagen im Juni 2026 rund 75 Prozent der weltweiten Rechenkapazität für moderne KI in den USA und weniger als 5 Prozent in Europa. ifo-Präsident Clemens Fuest nannte die Abhängigkeit eine existenzielle Bedrohung.
  • 40 Prozent der Unternehmensanwendungen mit KI-Agenten. Diese Zahl stammt von Gartner und gilt für Ende 2026. Eine Messung, ob sie erreicht wird, gibt es noch nicht. Gartner selbst erwartet zugleich, dass über 40 Prozent der Agenten-Projekte bis Ende 2027 eingestellt werden.
  • Wissenschaftliche Durchbrüche durch KI. Dass es sie gibt, ist belegt, spätestens seit dem Chemie-Nobelpreis 2024 für AlphaFold. Ob 2026 eine goldene Ära geworden ist, lässt sich nach neun Monaten nicht seriös sagen.
  • Längere und bessere KI-Videos. Das beobachten viele, eine Messung, die wir hier zitieren könnten, haben wir nicht.

Was man aus dem Abgleich lernt

Eingetreten sind die Prognosen über Geld und Verbreitung. Übertrieben waren die über Tempo und Autonomie.

Das Muster ist lehrreich. Dass mehr investiert und mehr genutzt wird, war absehbar. Dass Maschinen Dinge ganz ohne Menschen erledigen, ob am Steuer, im Haushalt oder im Code, kam langsamer als versprochen. Überall sitzt noch jemand daneben, der prüft oder freigibt.

Für Ihre Planung

Planen Sie mit dem, was heute zuverlässig läuft, nicht mit der nächsten Prognose. Ein Workflow, der Anfragen sortiert, und ein Mensch, der freigibt, bringen mehr als ein Agent, der vielleicht nächstes Jahr alles allein kann.

Welcher Ablauf in Ihrem Betrieb dafür als erster in Frage kommt, besprechen wir gern im KI-Audit.

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