KI-Gigafactories der EU. Was geplant ist und wo das Programm steht
Von Henrik Horn · · aktualisiert · 3 Minuten

Worum es geht
Die EU baut Rechenkapazität für KI auf, in zwei Stufen. Kleinere AI Factories laufen schon, große AI Gigafactories sind ausgeschrieben.
Als wir diesen Beitrag im Dezember 2025 zuerst veröffentlicht haben, hieß es in vielen Meldungen, die EU finanziere fünf Rechenzentren mit zusammen 100.000 Chips. Das war ungenau. Gemeint war ein Vorhaben der EU-Kommission und der Europäischen Investitionsbank (EIB), die sich Ende 2025 zusammengetan haben, um bis zu fünf AI Gigafactories zu finanzieren. Jede davon sollte laut EIB rund 100.000 moderne KI-Chips betreiben. Entschieden war damals noch nichts.
Die Idee stammt aus dem Februar 2025. Auf dem KI-Gipfel in Paris kündigte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Initiative InvestAI an. Sie soll 200 Milliarden Euro für KI mobilisieren, davon 20 Milliarden Euro in einem Fonds für Gigafactories.
Zwei Stufen. AI Factories und Gigafactories
Die AI Factories sind kleiner und schon da. Die Gigafactories sind groß und kommen frühestens 2028.
Laut EU-Kommission gibt es heute 19 AI Factories und 13 sogenannte Antennen. Das sind KI-taugliche Supercomputer mit Beratung und Zugang für Unternehmen, Forschung und Verwaltung. Deutschland hat zwei davon, die JUPITER AI Factory in Jülich und HammerHAI in Stuttgart. Der Rechner für HammerHAI soll laut EuroHPC in der zweiten Jahreshälfte 2026 in Betrieb gehen.
Die Gigafactories sind eine Größenordnung darüber. Sie sollen auch das Training sehr großer Modelle in Europa möglich machen. Gebaut und betrieben werden sie von Konsortien aus Unternehmen, öffentlichen Stellen und Investoren, nicht von der EU selbst.
- AI Gigafactories in der Ausschreibung
- bis 7
- AI Gigafactories in der Ausschreibung
- öffentliche Mittel von EU und Mitgliedstaaten, höchstens
- 10 Mrd. €
- öffentliche Mittel von EU und Mitgliedstaaten, höchstens
- privates Kapital, das damit mindestens fließen soll
- 20 Mrd. €
- privates Kapital, das damit mindestens fließen soll
EU-Kommission, AI Factories, Stand September 2026
Wo das Programm im September 2026 steht
Die Ausschreibung läuft. Gebaut wird noch nicht.
- 1
Interesse abgefragt
Laut Kommission gingen auf die erste Abfrage 77 Interessensbekundungen aus 16 Mitgliedstaaten ein, mit 60 möglichen Standorten.
- 2
Ausschreibung veröffentlicht
Am 30. Juli 2026 hat das Gemeinschaftsunternehmen EuroHPC die Ausschreibung gestartet. Sie sieht bis zu sieben Gigafactories vor, verteilt auf mindestens sieben Mitgliedstaaten.
- 3
Frist und Auswahl
Angebote sind bis zum 12. November 2026 möglich. Ausgewählt wird Anfang 2027.
- 4
Betrieb
Laut EuroHPC sollen die Gigafactories innerhalb von 18 Monaten nach der Auswahl den Betrieb aufnehmen. Realistisch also ab Mitte 2028.
Aus vier sind also bis zu sieben geworden. Eine feste Chipzahl je Standort nennt die Ausschreibung nicht mehr, sie spricht von einer sehr großen Zahl moderner KI-Prozessoren.
Was das für Unternehmen heißt
Für Forschung und Modellbauer ist das Programm wichtig. Für die Automatisierung im Mittelstand ist es vorerst Hintergrund.
Wer Prozesse mit n8n und einem Sprachmodell automatisiert, trainiert keine Modelle. Er ruft sie auf, über eine API. Ob dafür irgendwo in Europa ein neuer Supercomputer steht, merkt er im Alltag nicht. Relevant wird das Programm, wenn daraus bessere europäische Modelle und Angebote mit Datenstandort in der EU entstehen. Das ist eine Frage von Jahren.
Welche Fragen sich ein mittelständisches Unternehmen heute schon stellen sollte, also Datenstandort, europäische Modelle und Kosten, steht im zweiten Teil, Was die KI-Rechenzentren der EU für den Mittelstand bedeuten.
Quellen




