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Wirtschaftsschwäche und KI. Was die Zahlen hergeben und was nicht

Von Henrik Horn · · aktualisiert · 3 Minuten

Worum es in der ersten Fassung ging

Im Dezember 2025 stand hier ein Beitrag mit dem Titel „Deutschland in der Krise. Warum KI jetzt über Erfolg oder Niedergang entscheidet“. Der Ton war zu laut, und nicht jede Aussage hielt.

Er fasste die Thesen eines IT-Unternehmers zusammen. Deutschland stecke in der schwersten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, jeden Monat verschwänden 10.000 Industriearbeitsplätze für immer nach China, und wer jetzt nicht auf KI setze, gehe unter. Wir haben die Aussagen geprüft. Einiges stimmt, einiges ist zugespitzt, einiges lässt sich nicht belegen.

Was die Zahlen sagen

Die deutsche Wirtschaft war lange schwach, die Industrie ist es noch. Von einem Zusammenbruch zeigen die Daten nichts.

Laut Statistischem Bundesamt schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt 2023 um 0,9 % und 2024 um 0,5 %. 2025 wuchs es wieder leicht, um 0,2 %. Im zweiten Quartal 2026 lag es 0,3 % über dem Vorquartal, getragen vom Export. Das ist eine lange Schwächephase. Die „schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“ lässt sich daraus nicht ablesen.

Die Industrie trifft es härter. Laut EY-Industriebarometer, das auf Daten von Destatis beruht, fielen 2025 in der Industrie 124.100 Stellen weg, ein Minus von 2,3 %. Das sind rechnerisch gut 10.000 im Monat. Die Zahl aus der ersten Fassung passt also zur Größenordnung. Nicht belegt ist dagegen, dass diese Stellen an China gehen und nie zurückkommen. Konkurrenz aus China ist laut Destatis ein Grund unter mehreren, neben höheren US-Zöllen und dem stärkeren Euro. Dazu kommt der Umbau der Autoindustrie, wo EY zufolge allein 2025 fast 50.000 Stellen wegfielen.

Stellen in der Industrie 2025
−124.100
Stellen in der Industrie 2025
Wachstum des BIP 2025, nach zwei Jahren mit Minus
+0,2 %
Wachstum des BIP 2025, nach zwei Jahren mit Minus
der Unternehmen nutzten 2025 KI
26 %
der Unternehmen nutzten 2025 KI

EY-Industriebarometer Q4 2025, Statistisches Bundesamt

Wo KI tatsächlich Arbeit verändert

An einzelnen Stellen sichtbar, in der Breite noch nicht.

Die erste Fassung nannte die Allianz als Beispiel. Das ist belegt, aber enger als dort dargestellt. Die Tochter Allianz Partners kündigte im November 2025 an, in 12 bis 18 Monaten 1.500 bis 1.800 Stellen abzubauen, vor allem im Callcenter und mit Verweis auf KI. In Deutschland betrifft das laut t-online gut 120 von 1.600 Stellen.

Gleichzeitig nutzte laut Destatis 2025 gut ein Viertel der Unternehmen in Deutschland KI, bei 10 bis 49 Beschäftigten 23 %, bei 50 bis 249 Beschäftigten 36 %. Wer keine KI nutzt, nennt vor allem fehlendes Wissen (72 %), unklare Rechtsfolgen (62 %) und Datenschutz (60 %). Das sind keine Fragen des Untergangs. Das sind Fragen der Umsetzung.

Was ein Unternehmen daraus ableiten kann

Nicht Panik, sondern eine ehrliche Bestandsaufnahme. KI ist ein Werkzeug für bestimmte Aufgaben, kein Rettungsprogramm.

  1. 1

    Aufgaben suchen, nicht Technologien

    Wo wird im Team jede Woche dieselbe Arbeit von Hand erledigt? Anfragen sortieren, Belege abtippen, Daten zwischen zwei Systemen übertragen. Dort beginnt Automatisierung, mit oder ohne KI.

  2. 2

    Klein anfangen und messen

    Ein Prozess, ein Workflow, eine Zahl vorher und nachher. Wer den Nutzen nicht messen kann, weiß auch nicht, ob sich der nächste Schritt lohnt.

  3. 3

    Die Leute mitnehmen

    Wer einen Prozess seit Jahren macht, kennt seine Ausnahmen. Ohne dieses Wissen baut man einen Workflow, der nur den Normalfall kann.

  4. 4

    Wissen und Recht klären

    Die zwei größten Hürden laut Destatis lassen sich lösen. Wissen entsteht durch einen ersten Workflow im eigenen Betrieb. Rechtsfragen, etwa zum EU AI Act oder zur DSGVO, gehören früh auf den Tisch, nicht nach dem Bau.

Und manchmal ist die ehrliche Antwort, dass sich ein Prozess nicht lohnt. Warum das kein Rückschritt ist, steht in Wann Sie nicht automatisieren sollten.

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