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Drohnen und KI im Stromnetz. Was Wartungsprojekte über gute Prozesse zeigen

Von Henrik Horn · · aktualisiert · 3 Minuten

Worum es geht

Im Januar 2026 kündigten der Netzbetreiber Tennet und die Jade Hochschule ein gemeinsames Forschungsprojekt an.

Laut Bericht vom 21. Januar 2026 wollen beide bis 2028 untersuchen, wie Drohnen und KI Inbetriebnahmen, Reparaturen und Wartungen im Stromnetz wirtschaftlicher, belastbarer und klimafreundlicher machen. Testfeld ist ein rund 900 Quadratmeter großes Labor am Umspannwerk Maade in Wilhelmshaven. Dort sollen Drohnen mit Sensoren für Laser-Abtastung, Wärmebild, UV und normale Fotos arbeiten, an Anlagen mit denselben Bauteilen wie im echten Übertragungsnetz.

Der Vorteil liegt laut Tennet-Chef Tim Meyerjürgens vor allem darin, dass Drohnen nahe an Anlagen arbeiten können, die in Betrieb sind. Leitungen müssen dafür nicht abgeschaltet werden. Die Ergebnisse sollen später auf weitere Standorte in Deutschland übertragen werden. Veröffentlichte Ergebnisse haben wir bis September 2026 nicht gefunden.

Wie es im Betrieb schon aussieht

Andere Netzbetreiber setzen Drohnen bereits im Alltag ein. Ein Beispiel aus dem August 2026 zeigt, wo die Arbeit wirklich liegt.

Mitnetz Strom setzt Drohnen laut einem Bericht vom 10. August 2026 im ganzen Netzgebiet ein. 63 Beschäftigte haben dort einen Drohnenführerschein. Die Drohnen fliegen Freileitungen über Äckern ab, machen Nahaufnahmen von Schäden, suchen per Wärmebild nach heißen Verbindungen und helfen, Störungen schneller zu finden.

Bilder und Videos laufen in eine digitale Auswertung. Eine KI markiert mögliche Schäden, ein Mensch prüft sie. Ein Techniker von Mitnetz sagt dazu, die Technik unterstütze, ersetze aber nicht das Fachwissen der Techniker. Die Drohne liefert Daten. Der Nutzen entsteht erst in dem, was mit ihnen passiert.

Was das mit Büroprozessen zu tun hat

Die wenigsten Unternehmen fliegen Drohnen. Der Ablauf hinter einer Inspektion ist aber ein klassischer Büroprozess.

Nach jedem Flug kommen Aufgaben, die mit Technik im Feld nichts zu tun haben. Ein Befund muss dokumentiert, einer Anlage zugeordnet und priorisiert werden. Daraus wird ein Auftrag, ein Termin, ein Bericht. Genau hier liegen in vielen Betrieben die Zeitfresser, egal ob die Daten von einer Drohne, einem Servicetechniker oder einem Kundenformular kommen.

Ohne verbundenen Ablauf
  • Fotos liegen auf einem Laufwerk, sortiert nach Datum
  • Befunde werden per E-Mail weitergegeben
  • Der Auftrag wird von Hand im System angelegt
Mit verbundenem Ablauf
  • Jeder Befund hängt automatisch an der richtigen Anlage
  • Die KI markiert, ein Mensch bestätigt oder verwirft
  • Bestätigte Befunde werden direkt zum Auftrag mit Frist

Worauf es beim Übertragen ankommt

Aus beiden Beispielen lassen sich drei Regeln ableiten, die auch ohne Drohne gelten.

  1. 1

    Erst testen, dann in den Betrieb

    Tennet baut ein eigenes Testfeld, bevor die Technik an echte Anlagen geht. Im Kleinen heißt das, einen Workflow zuerst mit unkritischen Fällen laufen zu lassen.

  2. 2

    Die KI markiert, der Mensch entscheidet

    Bei Mitnetz schlägt die KI Auffälligkeiten vor, die Prüfung bleibt beim Fachpersonal. Das ist ein gutes Muster für jeden Ablauf, in dem ein Fehler teuer wäre. Mehr dazu in Wann Sie nicht automatisieren sollten.

  3. 3

    Den Ablauf nach der Erfassung zuerst anschauen

    Neue Technik zur Datenerfassung bringt wenig, wenn die Daten danach in Postfächern landen. Oft ist der Schritt vom Befund zum Auftrag der bessere erste Kandidat für eine Automatisierung.

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