Fertigung 2026. Welche Vorhersagen eingetreten sind
Von Henrik Horn · · aktualisiert · 4 Minuten

Die Vorhersage vom Dezember 2025
Ende 2025 erschienen die üblichen Ausblicke auf das neue Jahr. Einer davon kam von Zebra Technologies. Neun Monate später lohnt sich der Abgleich.
Am 22. Dezember 2025 veröffentlichte das Fachmagazin The Manufacturer die Vorhersagen von Stephan Pottel, Industry Director Manufacturing EMEA bei Zebra Technologies. Seine fünf Thesen für 2026:
- KI, Machine Vision und Robotik wachsen mit der IT zusammen und ersetzen manuelle Eingriffe.
- Automatisierung und bessere Einarbeitung fangen den Personalmangel auf.
- Machine Vision und Edge Computing machen Qualitätskontrolle vorausschauend statt nachträglich.
- Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette gewinnen an Gewicht.
- RFID und Machine Vision werden wichtiger, weil Produktion wegen Zöllen und Geopolitik zurückverlagert wird.
Zebra verkauft unter anderem mobile Computer, RFID-Lesegeräte und Machine-Vision-Systeme. Die Liste deckt sich also weitgehend mit dem eigenen Angebot. Das ist bei Trendprognosen von Anbietern die Regel und kein Vorwurf. Man sollte es beim Lesen nur wissen.
KI im Betrieb. Teilweise eingetreten
KI ist in der Industrie angekommen. Aber langsamer und ungleichmäßiger, als die Prognose klang.
Laut dem State of Smart Manufacturing Report von Rockwell Automation, im Mai 2026 veröffentlicht, sind 34 Prozent der Abläufe in den befragten Werken KI-gestützt. 18 Prozent der Hersteller stecken nach eigener Angabe noch im Pilotstadium. Für Deutschland meldet der Bitkom in seiner Studie „Industrie 4.0“ von 2026, dass 40 Prozent der Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten KI bei Steuerung und Planung nutzen. Weitere 38 Prozent planen es.
Die Richtung stimmt also. Von einer Fertigung, in der KI manuelle Eingriffe breit ersetzt, ist das aber weit entfernt. Die Mehrheit arbeitet an einzelnen Anwendungen, nicht an durchgängigen Abläufen.
Personal und Nachhaltigkeit. Anders als gedacht
Zwei Thesen hingen an Annahmen über Arbeitsmarkt und Regulierung. Beide Annahmen haben sich 2026 verschoben.
Beim Personal passt das Bild vom leergefegten Arbeitsmarkt nicht mehr für die ganze deutsche Industrie. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten Ende Juni 2026 im Verarbeitenden Gewerbe 5,29 Millionen Menschen in Betrieben ab 50 Beschäftigten. Das sind 144.100 weniger als ein Jahr zuvor, ein Minus von 2,7 Prozent. In der Autoindustrie war der Rückgang am stärksten. Automatisierung wird dadurch nicht unwichtiger. Aber die Begründung verschiebt sich von fehlenden Leuten hin zu Kosten und Produktivität.
Bei der Nachhaltigkeit hat die EU den Druck gesenkt. Mit der Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470, im Februar 2026 veröffentlicht, gilt die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD nur noch für Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und über 450 Millionen Euro Umsatz. Die Entwaldungsverordnung EUDR wurde im Dezember 2025 erneut verschoben. Für mittlere und große Unternehmen gilt sie jetzt ab dem 30. Dezember 2026, für kleine ab Mitte 2027.
Rückverfolgbarkeit bleibt trotzdem ein Thema, etwa für Zulieferer großer Konzerne. Belastbare Zahlen dazu, ob RFID wegen Rückverlagerungen 2026 tatsächlich stärker gewachsen ist, haben wir nicht gefunden. Diese These lassen wir deshalb offen.
Was das für Ihre Planung heißt
Trendlisten beschreiben eine Richtung. Ob ein Projekt sich lohnt, entscheiden Ihre eigenen Zahlen.
Der Rückblick zeigt ein Muster. Die Technik kam ungefähr wie angekündigt. Konjunktur und Regulierung haben die Gründe verschoben, warum man sie einsetzt. Das gilt im Büro genauso wie in der Halle.
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Nach Kosten rechnen, nicht nach Engpass
Ein Workflow für die Auftragsabwicklung, der nur gebaut wird, weil eine Stelle unbesetzt ist, verliert seinen Sinn, sobald sie besetzt ist. Einer, der pro Auftrag Zeit und Fehler spart, lohnt sich unabhängig davon. Wie man das vorher rechnet, steht im Beitrag zum Business Case vor dem Bau.
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Mit schwankendem Volumen planen
Im Einkauf und in der Rechnungsprüfung schwankt die Menge mit der Auftragslage. Automatisierung, die sich erst ab einer bestimmten Menge rechnet, ist in einem schwachen Jahr ein Risiko.
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Pflichten nicht vorwegnehmen
Wer sein Reporting auf eine Berichtspflicht ausrichtet, die dann verschoben oder gestrichen wird, hat umsonst gebaut. Besser sind Daten, die sauber und an einer Stelle liegen. Daraus lässt sich jeder Bericht erzeugen, auch einer, den heute noch niemand verlangt.
Nicht welcher Trend 2027 kommt, sondern welcher Ablauf heute jede Woche Zeit kostet. Die zweite Frage lässt sich beantworten.
Quellen
- 1The Manufacturer, Manufacturing predictions for 2026
- 2Rockwell Automation, State of Smart Manufacturing Report 2026 (Pressemitteilung)
- 3Bitkom Research, Industrie 4.0 2026
- 4Statistisches Bundesamt, Beschäftigte in der Automobilindustrie, 1. Halbjahr 2026
- 5Covington, CSRD/CSDDD-Omnibus im Amtsblatt veröffentlicht
- 6Haufe, Wo steht die EUDR 2026?




