Rockwells Stufenmodell zu autonomen Abläufen, übertragen aufs Büro
Von Henrik Horn · · aktualisiert · 3 Minuten

Das Modell in Kürze
Ende 2025 verbreitete Rockwell Automation einen Beitrag von Troy Mahr über den Weg zu autonomen Abläufen in der Industrie. Kern ist eine Pyramide mit aufeinander aufbauenden Stufen.
Der Beitrag erschien im September 2025 im Blog von Rockwell und im Dezember 2025 als Pressemitteilung. Sinngemäß beschreibt die Pyramide diesen Weg:
- 1
Beobachten
Daten aus Maschinen und Systemen werden zusammengeführt und sichtbar gemacht.
- 2
Erklären
Aus den Daten wird ablesbar, warum etwas passiert, etwa die Ursache eines Stillstands.
- 3
Vorhersagen
Modelle erkennen Muster und warnen vorab, zum Beispiel vor Qualitätsproblemen oder nötiger Wartung.
- 4
Entscheiden
Das System passt Abläufe selbst an, innerhalb festgelegter Grenzen. Rockwell nennt hier Model Predictive Control, eine Regelung, die laufend Ist- und Prognosedaten auswertet und Parameter der Linie nachführt.
- 5
Autonom
Systeme passen ihr Verhalten im laufenden Betrieb ohne manuellen Eingriff an wechselnde Bedingungen an.
Rockwell betont, dass jede Stufe nicht nur Technik verlangt, sondern auch Änderungen in Kultur und Organisation.
Das eigene Beispiel steht auf der mittleren Stufe
Am aufschlussreichsten ist das Beispiel, das Rockwell selbst anführt.
Im eigenen Werk in Twinsburg, Ohio, das Elektronik bestückt, warnt eine KI vor sich anbahnenden Fehlern, etwa durch verschlissenes Werkzeug. Das Team greift dann ein. Rockwell schreibt ausdrücklich, dass das System die Änderung nicht selbst vornimmt. Der Hersteller, der für autonome Abläufe wirbt, zeigt also als Vorzeigefall die Stufe Vorhersagen, mit einem Menschen, der handelt.
Das passt zu den Zahlen aus Rockwells eigenem State of Smart Manufacturing Report vom Mai 2026. Dort schätzen die befragten Hersteller, dass 34 Prozent ihrer Abläufe KI-gestützt sind. Von den erhobenen Daten wird laut Bericht nur 43 Prozent wirksam genutzt. Die meisten Unternehmen arbeiten also noch an den unteren Stufen. Das ist kein Versäumnis, sondern die normale Reihenfolge.
Dieselben Stufen im Büro
Ersetzt man Maschinen durch Aufträge, Bestellungen und Rechnungen, passt das Modell erstaunlich gut auf Verwaltungsprozesse.
- Beobachten. Offene Aufträge, Bestellungen und Rechnungen liegen an einer Stelle, statt in fünf Systemen und zwei Postfächern.
- Erklären. Sie sehen, warum ein Auftrag hängt. Fehlt eine Freigabe, eine Lieferung oder eine Angabe des Kunden?
- Vorhersagen. Ein Workflow meldet vorab, welche Aufträge ihren Liefertermin verpassen werden oder welcher Artikel bald nachbestellt werden muss.
- Entscheiden in Grenzen. Der Workflow löst Nachbestellungen beim Stammlieferanten bis zu einem festen Betrag selbst aus. Alles darüber geht als fertiger Vorschlag zur Freigabe.
- Autonom. Ein Ablauf, der sich selbst an neue Lagen anpasst, ist in der Verwaltung selten nötig und schwer zu verantworten.
Im Reporting zeigt sich der Nutzen der unteren Stufen am deutlichsten. Wer die Zahlen automatisch an einer Stelle zusammenführt, spart die monatliche Sammelarbeit. Erst danach lohnt die Frage, ob eine KI Auffälligkeiten kommentieren soll.
Was Sie daraus mitnehmen können
Das Modell ist vor allem eine Warnung davor, Stufen zu überspringen.
- 1
Die eigene Stufe ehrlich bestimmen
Für jeden wichtigen Prozess reicht eine Frage. Sehen wir heute zuverlässig, was gerade passiert? Wenn nicht, beginnt die Arbeit dort, nicht bei der KI.
- 2
Grenzen vor Autonomie
Die Stufe Entscheiden funktioniert in der Fabrik nur innerhalb festgelegter Grenzen. Im Büro ist das genauso. Beträge, Lieferanten und Fälle, in denen der Workflow selbst handeln darf, werden vorher festgeschrieben.
- 3
Vorhersagen mit Mensch ist oft das Ziel
Rockwells eigenes Werk zeigt, dass eine gute Warnung mit einem Menschen, der entscheidet, bereits viel bringt. Nicht jeder Prozess muss ganz nach oben.
Welcher Prozess sich als erster lohnt, lässt sich mit vier Fragen eingrenzen. Im KI-Audit schauen wir gemeinsam, auf welcher Stufe Ihre Abläufe heute stehen.




