Bau und Handwerk 2025. Was bei Digitalisierung und KI wirklich angekommen ist
Von Henrik Horn · · aktualisiert · 4 Minuten

Viel Erwartung, wenig Einsatz
2025 wurde am Bau viel über KI gesprochen. Die Zahlen zeigen, dass sie in den meisten Betrieben noch nicht angekommen ist.
Die Royal Institution of Chartered Surveyors, kurz RICS, hat im September 2025 eine weltweite Befragung von mehr als 2.200 Fachleuten aus Bau und Immobilienwirtschaft veröffentlicht. 45 Prozent gaben an, dass ihre Organisation KI gar nicht einsetzt. Nur 1 Prozent hat KI über mehrere Projekte hinweg fest etabliert. Gleichzeitig erwarten fast 70 Prozent der Projektleiter und Kostenplaner, dass KI ihnen künftig hilft.
Im deutschen Handwerk sieht es ähnlich aus. Laut einer Bitkom-Befragung von 504 Handwerksbetrieben vom August 2025 setzen erst 4 Prozent KI ein, weitere 9 Prozent planen es. Die Lücke zwischen Erwartung und Alltag ist also kein britisches oder deutsches Phänomen. Sie ist branchenweit.
- der Bau-Organisationen ohne jeden KI-Einsatz (RICS, weltweit)
- 45 %
- der Bau-Organisationen ohne jeden KI-Einsatz (RICS, weltweit)
- der Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen KI (Bitkom)
- 4 %
- der Handwerksbetriebe in Deutschland nutzen KI (Bitkom)
- der Handwerksbetriebe verschicken Angebote digital (Bitkom)
- 68 %
- der Handwerksbetriebe verschicken Angebote digital (Bitkom)
RICS, AI in Construction Report, September 2025. Bitkom, Befragung von 504 Handwerksbetrieben, veröffentlicht am 28.08.2025.
Woran es hakt
Die Gründe sind selten technisch. Es fehlen Leute, saubere Daten und Systeme, die miteinander sprechen.
Die RICS nennt drei Hürden an der Spitze:
- fehlendes Fachpersonal für KI und Daten (46 Prozent)
- schwierige Anbindung an bestehende Systeme (37 Prozent)
- schlechte Datenqualität (30 Prozent)
Das Bild ist aus vielen Betrieben vertraut. Die Kalkulation liegt in einem Programm, die Zeiterfassung in einem zweiten, die Buchhaltung beim Steuerberater. Dazwischen werden Zahlen abgetippt. Solange das so ist, hat KI nichts, worauf sie sich verlassen kann. Wer mit einem Sprachmodell Angebote schreiben will, braucht zuerst eine Preisliste, die aktuell ist und an einer Stelle liegt.
Was tatsächlich angekommen ist
Angekommen sind die unspektakulären Dinge. Sie sind die Grundlage für alles Weitere.
Laut Bitkom bieten 85 Prozent der Handwerksbetriebe mindestens einen digitalen Service an. Am häufigsten sind der digitale Angebotsversand mit 68 Prozent und der digitale Rechnungsversand mit 62 Prozent. Das klingt klein. Es heißt aber, dass die Daten in den meisten Betrieben schon digital vorliegen. Sie werden nur noch nicht weitergereicht.
Dazu kommt eine Pflicht, die 2025 begonnen hat. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland E-Rechnungen von anderen Unternehmen empfangen können. Beim Ausstellen gelten laut Bundesfinanzministerium Übergangsfristen bis Ende 2026, für Betriebe mit höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz bis Ende 2027. Danach ist die E-Rechnung zwischen inländischen Unternehmen Pflicht. Eine E-Rechnung ist ein strukturierter Datensatz. Man muss sie nicht mehr abtippen, man kann sie auslesen.
Wo sich Automatisierung im Büro lohnt
Auf der Baustelle ist der Hebel groß, aber teuer. Im Büro ist er kleiner und sofort greifbar.
- 1
Angebote
Eine Anfrage kommt per Mail oder Formular. Ein Workflow legt den Kunden an, zieht die passenden Positionen aus der Preisliste und erstellt einen Angebotsentwurf. Ein Mensch prüft Mengen und Preise und gibt frei. Ein Sprachmodell kann die Anfrage vorsortieren, rechnen sollte es nicht allein.
- 2
Aufmaß
Wer das Aufmaß vor Ort in ein Formular oder eine App tippt statt auf Papier, spart das Abschreiben im Büro. Ein Workflow übernimmt die Mengen direkt in die Abrechnung und meldet, wenn eine Position im Angebot fehlt.
- 3
Eingangsrechnungen
E-Rechnungen von Lieferanten werden ausgelesen, der Bestellung oder dem Auftrag zugeordnet und bei Abweichungen zur Prüfung vorgelegt. Stimmt alles, gehen sie zur Freigabe in die Buchhaltung.
- 4
Ausgangsrechnungen
Aus Aufmaß und Angebot entsteht die Rechnung, im Format, das ab 2027 oder 2028 ohnehin verlangt wird. Wer jetzt umstellt, macht es einmal richtig und nicht unter Zeitdruck.
Nicht mit Drohnen, BIM-Plattformen oder einer KI für die Kalkulation anfangen, wenn im Büro noch abgetippt wird. Erst die Daten an einen Ort bringen, dann die Übergaben automatisieren, dann über KI reden.
Welcher dieser Abläufe bei Ihnen zuerst dran ist, beantworten vier Fragen. Wenn Sie das gemeinsam durchgehen wollen, gibt es das KI-Audit.




